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Gedenkstein für Flüchtlinge und Vertriebene

Ansprache zur Enthüllungsfeier von Hartmut Vollmer
11. September 2010

VollmerSehr geehrte Gäste,
die Mitglieder der Sparte Chronik und Schrifttum im Heimatverein der Börde Sittensen e.V. begannen vor etwa drei Jahren, sich zunehmend intensiv mit dem Thema Flucht und Vertreibung auseinander zu setzen. Dazu holten wir zunächst nahe liegende Erkundigungen z. B. in Ottendorf und in Lüneburg ein, auf die unser Vorsitzende Wilhelm Gohde schon hingewiesen hat.
Wir kamen regelmäßig zu Sitzungen zusammen. Dabei wurde oft aus-giebig und gegensätzlich diskutiert. Schließlich einigten wir uns auf ein Konzept. Dieses wurde in der folgenden Planungsphase in allen Einzelheiten ausgearbeitet.
Dieser Gedenkstein „Flüchtlinge und Vertriebene“ ist ein Granitfindling - ca. 14 Tonnen schwer. Er wurde aus dem Süden Skandinaviens über zigtausende Jahre von Eiszeiten hierher nach Norddeutschland transportiert. Mit diesem Stein wollen wir Erinnerung wach halten:

GedenksteinUngefähr 3000 bis 4000 unter den ca. 16 Millionen von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen kamen in der Zeit von Anfang 1944 bis Ende 1949 n die Dörfer der Börde Sittensen. Auf diese Weise nahm die Einwohnerzahl in manchen Dörfern um ein Drittel, manchmal sogar um mehr als 50% zu. Nur ein Beispiel von vielen möchte ich hier nennen: Allein am 08. März 1945 mussten in Ippensen 80 Personen zusätzlich mit Nahrung und Wohnraum versorgt werden. Das war sicher für alle Beteiligten nicht einfach!
Die Informationen auf diesem Gedenkstein können - durch die Struktur des Steines selbst bedingt - nur spärlich sein. Deshalb haben wir eine Infotafel mit wenigen, aber prägnanten Daten daneben gestellt. Für Betroffene und andere Interessierte, die mehr wissen möchten über die von mir angesprochenen Bereiche, stellen wir in unserer Heimatstube - hier in unserem Haus nebenan – zusätzliches, detailliertes Info-Material bereit. Das sind z. B. Karten, Bilder und Sachbücher. U. a. steht dort auch ein Original-Karren mit Original-Inhalt von damals.
Außerdem haben wir dort ein noch unvollständiges, zu ergänzendes Namenverzeichnis von Flüchtlingen und Vertriebenen - nach Dörfern aufgelistet - jeweils in Ordnern zusammengefasst. In diesem Verzeichnis erscheinen u. a. Namen, Geburtsort und letzter Wohnort vor Antritt der Flucht oder Vertreibung, ebenso die neue Anschrift hier im jeweiligen Dorf. Darüber hinaus gibt es einen Ordner mit etlichen Zeitzeugen-berichten. Diese vermitteln beispiel-haft tiefe Eindrücke von den drama-tischen Bedingungen, unter denen Flucht und Vertreibung erfolgten. Auf unserem Gedenkstein stellt eine stark vereinfachte Karte ohne politische Grenzen die Siedlungsgebiete dieser Menschen dar, die hier in der Börde vorübergehend Aufnahme oder für länger eine zweite Heimat fanden. Wir hätten gerne noch mehr Namen von Städten, Flüssen und Ostgebieten auf diesem Stein gesehen. Aber der Steinmetz gab zu bedenken: „Lässt der Stein sich das gefallen??“
Ich bin sicher, sehr geehrte Gäste, ich habe Sie neugierig gemacht; und deshalb wollen wir jetzt den Gedenkstein „Flüchtlinge und Vertriebene“ enthüllen.

un nu - kiekt Jo den Steen genau an!!