Logo
Logo

Ausgrabung in Groß Meckelsen

Schaukasten

aus der Bremervörder Zeitung
Artikel vom 30.09.2012

Der Hobbyarchäologe und Architekt Hastedt aus Sittensen war es, der 1980 in der Gemarkung Groß Meckelsen die erste Tonscherbe gefunden hatte. Und dann bekam „das Kind Beine“: Auf einem Areal von schließlich fünf Hektar machte Dr. Wolf-Dieter Tempel, damaliger Kreisarchäologe, von 1981 bis 2002 ausgedehnte Grabungen. Sein Nachfolger Dr. Stefan Hesse, der die Forschungsarbeiten fortsetzte: „Die Grabungen von Groß Meckelsen sind mit Sicherheit das größte und bedeutendste Projekt, was in der Kreisarchäologie jemals durchgeführt wurde.“

Es handelt sich um ein germanisches Dorf der Römischen Kaiserzeit. Die Siedlung wurde wahrscheinlich um Christi Geburt gegründet und bestand vermutlich bis in das 6. Jahrhundert. Die Ausgrabungen sind inzwischen abgeschlossen, aber die vielen Funde noch nicht bearbeitet. Das Ganze dauert mehrere Jahre und muss entsprechend finanziert werden. Und dieser Forschungsförderungsantrag, den die Universität Göttingen (Prof. Willroth), das Niedersächsische Institut für Historische Küstenforschung in Wilhelmshaven (Prof. Jöns) und die Kreisarchäologie an das Land Niedersachsen richteten, wurde jetzt genehmigt.

Das Geld reicht aus, um den Doktoranden Jan Bock (32) von der Universität Göttingen drei Jahre zu beschäftigen. Der in Buchholz in der Nordheide aufgewachsene Bock hat bereits sein Praktikum bei Dr. Hesse gemacht. „Das Projekt Groß Meckelsen“, sagt er, „ist für mich eine Chance, die man in der Form nur einmal bekommt. Es gibt insbesondere in Niedersachsen nur eine handvoll Siedlungen und Plätze dieser Zeit, die auch nur annähernd vollständig ausgegraben sind. Deshalb bieten sich hier ganz besondere Perspektiven der Auswertung.“

Sorgfältig verpackt wie ein großer Schatz präsentiert Dr. Hesse den bedeutendsten Einzelfund, der bei Groß Meckelsen gemacht wurde: eine etwa 2 000 Jahre alte, sehr gut erhaltene römische Feinwaage, bei der es sich um den ältesten Fund außerhalb des Römischen Reichs handelt: zwei Waagschalen, der Waagbalken und acht Bleigewichte wurden gefunden. Und jetzt noch eine kleine Sensation: An einer der Waagschalen hatte ein etwa vier Zentimeter langer weißer Wollfaden, der mit zwei anderen Fäden die Schalen trug, die 2 000 Jahre überstanden. Dr. Hesse vermutet, dass Metalloxyde, von der Schale abgegeben, sich in dem Faden abgelagert und für sein langes Überleben gesorgt hatten.

Die Waage, mit der möglicherweise einmal ein Händler unterwegs war, die vielleicht von einem Handwerker benutzt worden ist oder bei der es sich unter Umständen um Beutegut oder ein Geschenk handelt, wurde bereits bei einer Reihe von renommierten überregionalen Ausstellungen gezeigt. Die Waage ist inzwischen Teil des Wappens der Gemeinde Groß Meckelsen.

Während der erste Antrag die Siedlungsstruktur und die Eisenverarbeitung umfasst, wird ein weiterer Antrag für den großen Bereich „Keramik“ zur Zeit erarbeitet. Stichwort Eisenverarbeitung: In der Fundstelle Groß Meckelsen wurden über 300 Eisenschmelzöfen entdeckt. Wann die Verhüttung begonnen hat, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall verfügte nicht jedes Dorf über diese kleinen Schmelzöfen. Möglicherweise hat Groß Meckelsen andere Dörfer mit seinen Eisenprodukten (Werkzeuge und ähnliches) versorgt.

Kreisarchäologe Dr. Hesse: „Die Aufarbeitung dieses großen Fundkomplexes kann man nicht nebenbei machen. Hierfür benötigt man einen Fachmann, der sich über einen längeren Zeitraum voll und ganz dieser Aufgabe widmet.“ Eine Arbeit, mit der jetzt Jan Bock beginnt.
(bn)